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Full text: Die blaue Laterne / Lindau, Paul (Public Domain)

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und Barometers, die durchaus nicht steigen wollten; 
fie ärgerten sich über die schaumigen Kämme des grau— 
grünen Wassers, über den sackgrauen Himmel, auf dem 
sich der Stand der Sonne nur in einer für geübte Augen 
wahrnehmbaren, etwas helleren Färbung annähernd 
feststellen ließ; sie ärgerten sich über alles mögliche. 
Am unmutigsten war die elegante, zierliche und 
schlanke Frau Kommerzienrat Helene Foeren aus 
Berlin. Ihr Riesenkoffer mit den lichten Sommer— 
toiletten und dem raffinierten Badekostüm, das in 
Ostende Sensation gemacht haben würde, stand seit 
fechs Tagen noch unausgepackt auf dem Korridor neben 
ihrer Zimmertür. Sie war aus den dunklen Kleidern 
und dem Regenmantel nicht herausgekommen und 
hatte nach einem einzigen kläglich mißglückten Versuche, 
auf der Düne aufzufallen, sich zur einsamen Wanne 
im Badehause nebenan entschließen müssen. Es ver— 
lohnte auch gerade, auf der Fahrt von Kuxhaven des— 
wegen seekrank zu werden! 
Wäre sie ihrer Neigung gefolgt, mit dem nächsten 
Dampfer — oder, wie sie sich ausdrückte, mit dem näch— 
sten Zuge — wäre sie umgekehrt und nach Ostende, 
Scheveningen oder sonst einem vernünftigen Seebade 
geflüchtet, wo man eine schmiegsame Gestalt, Korsett— 
und Hüftenlosigkeit zu würdigen weiß. Auf diesem 
„alten Backstein im Wasser“, wie sie Helgoland nannte, 
war doch rein gar nichts los. 
Nicht einmal eine Strandpromenade. Natur und 
immer wieder Natur — eine nette Natur, wenn's in 
einem fort regnet und man sie sich den ganzen Tag
	        
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