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VII.

Full text: Die Thaler-Töchter / Bliß, Paul (Public Domain)

98 — 
das Leben, das einem behagt! Und vor allem haben 
Sie da draußen die freie schöne Luft, den fast unbe⸗ 
grenzt weiten Blick, und Sie haben den weiten blauen 
Himmelsdom über sich! Na, und wem da nicht mit 
einmal das ganze volle Herz aufgeht, der muß ja ein 
ganz trauriger Kerl sein, — jawoll, dat is min Ernst! 
Na denn Prost!“ 
Und lachend leerte er das zweite Glas. 
Ganz sprachlos sah sie ihn an. Nie hätte sie ihm 
so viel Temperament, so viel Eifer zugetraut. 
Das merkte er und deshalb sagte er: „Ja, sehen 
Sie, so kann man sich in Menschen manchmal täuschen! 
— Na, macht nichts! — Hoffentlich sind Sie mir 
darüber nicht böse!“ 
„Eigentlich sollte ich es wohl, da Sie auf mein 
schönes Berlin geschimpft haben.“ 
„Ach, Berlin hat ja auch sein Schönes, — nur 
nicht für immer hier leben müssen!“ 
„Und ich denke gerade entgegengesetzt, jawohl!“ 
Lachend sah sie ihn an. 
Da erschrak er förmlich. „Nein, wirklich? Ist 
das wirklich Ihr Ernst?“ 
„Aber bitterer Ernst sogar! Der Gedanke, mal 
nicht mehr in Berlin leben zu können, ist mir direkt 
schrecklich.“ 
„Ganz starr sah er sie an. „Aber wie ist das 
nur möglich? Was haben Sie denn nur hier?“ 
„Was ich hier habe? Je nun, ich habe das 
Leben der Weltstadt, das um mich herum sich abspielt,
	        
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