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Zehntes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

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Kernpunkt, um den sich alles dreht. Und gar beim 
Theater! Wer beim Theater Pech hat, soll sich lieber 
gleich aufhängen!“ 
„Ja,“ meinte Keßler, „dann ist es doch aber sehr 
gefährlich, gerade in so einer Sache sich mit Ihnen 
einzulassen!“ 
„Wieso denn?“ fragte der andere erschreckt. 
„Nun, Sie haben doch offenbar kein Glück! Sie 
sind alt und grau geworden und haben es zu nichts 
gebracht! Was hat Ihnen Ihre Liebe und Leiden— 
schaft zum Theater eingebracht? — Mir kommt es so 
vor, als ob Sie ein armer Teufel sind, der sein Leb⸗ 
tag unglücklich gelebt hat.“ 
Steinert zog die Stirn in Falten. 
„Herr Baumeister, Sie sind ungemein scharfsinnig, 
aber Sie irren sich doch. So gottverlassen, wie Sie 
meinen, bin ich nicht. Hundert andere wären zugrunde 
gegangen, hätten die Schicksalsprügel nicht ausge— 
halten, die auf mich niedergesaust sind. Sie hätten 
Ihre Liebe verraten und einen Schlupfwinkel gesucht, 
bloß um unterzukommen. Ich habe meine Hoffnung 
nicht während einer Stunde begraben. Ich habe ge— 
wußt, daß ich eines Tages wie aus der Versenkung 
auftauchen würde, um alle meine Pläne auszuführen. 
Und ich sage Ihnen, die Leute werden sich wundern, 
wenn ich am Ruder bin! — Ich habe Ideen! ... 
Nein, davon will ich jetzt nicht sprechen. Aber so viel 
mögen Sie wissen: es muß ein modernes Theater 
werden — moderne Stücke muß man spielen — mit 
modernen Schauspielern. Man muß einen ganz neuen 
Stil finden — oder vielmehr — ich habe ihn bereits
	        
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