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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

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Todesängsten schwebte und kühn und mutig nie— 
manden in ihre starke Seele blicken ließ. 
Das erste Klingelzeichen erscholl — die ersten Töne 
zur „Sommernachts“Ouvertüre setzten ein. 
„Die Stimmung ist ausgezeichnet!“ raunte ihm 
Steinert zu. 
Und nun ging der Vorhang in die Höhe, und 
Shakespeares phantasievolles Spiel begann. 
Keßler sah und hörte nichts. Nur wenn ein frene— 
tischer Beifall erscholl, zuckte er zusammen. Aber 
dieser Lärm tat ihm unsagbar wohl. 
Als nach dem ersten Akt immer und immer wieder 
sein Name gerufen wurde und Steinert ihn stürmisch 
drängte, da empfand er zum erstenmal eine unbe— 
schreibliche Wonne. Willenlos ließ er sich vor die 
Rampe schleppen. 
Die Schlacht war gewonnen ..er zweifelte nicht 
mehr. 
Als er sich verbeugte, erhob sich das ganze Parkett. 
Hunderte von Händen streckten sich ihm klatschend 
entgegen. Einzelne Damen rissen die Blumen von 
ihrer Brust und warfen sie ihm hin. 
Dann wurde es eine Sekunde todesstill. 
„Sie sollen reden!“ flüsterte ihm jemand zu „Das 
Publikum erwartet, daß Sie ein paar Worte 
sprechen!“ 
Er aber sah über das Parkett der geputzten 
Menschen hin, machte ein hilfloses, überglückliches 
Gesicht und verbeugte sich stumm von neuem. 
Und wieder erbrauste dieser lärmende Applaus.
	        
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