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Neunzehntes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

207 — 
„Ich weiß, was du jetzt über mich denkst,“ fuhr 
sie fort, „ich weiß, daß du dich gegen mich auflehnst.“ 
Sie schlang ihren Arm um seinen Hals und 
dämpfte ihre Stimme. 
„Glaube mir — du kannst nicht ohne Selbstachtung 
leben — du bist ein Mensch, der ein Pflichtbewußtsein 
hat, das er nicht wie überflüssiges Gepäck von sich 
zu werfen vermag! ...“ 
„Ich will es ja auch nicht,“ antwortete er gedrückt. 
„Aber sieh einmal, ich kann doch nicht mitten auf 
dem Wege stehen bleiben! Wenn ich jetzt umkehre, so 
bin ich für alle Zeiten fertig. Alles habe ich dann 
verloren — Ehre, Namen und Kredit. — Ich wehre 
mich mit allen Kräften gegen einen Zusammenbruch. 
Und Gott sei Dank, ich glaube, daß die Gefahr mit 
dem heutigen Tage vorüber ist ... Ich scheue auch 
bor jedem Schritte zurück, den ich nicht zu verant— 
worten vermag. .. Aber kein wirklich großer Mensch, 
der für eine Sache, nicht für seine Person kämpft, 
ist imstande, die Unterscheidungen zu machen — die 
Grenzen zwischen „erlaubt“ und „unerlaubt“ zu 
ziehen, die jeder Philister sieht . . . Ach, Kind, das 
mußt du doch einsehen! Du darsst mir gegenüber nicht 
die Richterin spielen ... Ich brauche dich nicht, weil 
ich mich eines Vergehens schuldig fühle, sondern weil 
ich einen Menschen haben muß, der mich versteht, 
der durch nichts daran irre wird, daß zuletzt alle 
meine Handlungen aus einer reinen Quelle fließen 
und lauter sind, selbst wenn sie mit tausend und einem 
Strafparagraphen kollidieren! — Es gibt Verbrecher,
	        
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