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Siebzehntes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

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sich das grünliche Mondlicht über ihre Gesichter und 
die Bäume ergoß, und ihre Gestalten lange Schatten 
warfen, so tauchten phantastische Stimmungen in 
ihnen auf — sie fühlten sich innerlich miteinander 
verbunden, alle Gegensätze waren verwischt. Erst das 
kalte Licht des Morgens riß sie aus ihren Träumen. 
Dann schienen sie plötzlich zu erwachen und betrach— 
teten sich gegenseitig mit nüchternen Blicken. Und 
Keßler empfand dann wohl das Groteske dieses Zu— 
sammenhanges, das sich ihm schon äußerlich kundgab. 
Er mit seiner aufrechten, stolzen Haltung, er der alles 
nach innen verarbeitete, unverbraucht war und seine 
Kraft und Jugend fühlte — und dieser vom Leben 
arg zerzauste, kleine Mensch, der sich mit seinen 
großen Bewegungen und Gesten, mit seinen auf⸗ 
geregten, unaufhaltsam dahinfließenden Worten be— 
ständig überstürzte! Und oft gesellte sich zu ihnen 
mitten in der Nacht Herr Freitag, der plötzlich auf 
seinem Schimmel dahergetrabt kam, militärisch grüßte, 
während seine Haare im Winde wehten und sein Pferd 
fauchte ... Er sprach zusammenhanglose Sätze. Er 
wollte wissen, wie weit es mit dem Theater stünde 
und was in Sachen seiner Millionenerbschaft getan 
worden sei ... 
Die beiden hörten kaum auf seine Worte — sie 
gaben zerstreute Antworten, in denen sich eine unsag⸗— 
bare Geringschätzung ausdrückte. 
Freitag bemerkte es nicht. Er schien auf eine be— 
stimmte Antwort gar nicht zu rechnen. Er erzählte 
und fragte nur immer in tollen Gedankensprüngen. 
Sie ließen sich seine Gesellschaft gefallen. Und dann
	        
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