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Sechzehntes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

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„Für mich kann sich dein Wert nicht steigern,“ 
entgegnete sie dann. „Und andere Leute können dich 
in meinen Augen nicht erhöhen.“ 
„Du bist mir aber eine Stolze!“ 
„Ja, auf dich bin ich stolz!“ 
Er öffnete seine kleinen Augen weit und war auf 
einmal nüchtern. 
„Am Ende hast du wirklich recht — und ich bin 
ein Narr, wenn ich auf meine alten Tage ..“ 
Er blickte ein wenig scheu und verwirrt zu Boden. 
„Höre mal, Kind“ — er zog sie in eine Ecke — 
„was mich heute so glücklich gemacht hat, sind nicht 
etwa die Aussichten, die meiner warten. Nicht wahr, 
für so einen eitlen Narren hältst du mich nicht?“ 
Sie nickte wortlos. 
Er brach wieder ab und spielte mit seiner schmalen 
Hand, die der eines Kindes glich, nervös an seiner 
stählernen Uhrkette. 
„Ich will mich nicht in deine Angelegenheiten 
drängen — bei Leibe nicht“ — nahm er zögernd das 
Wort wieder auf, „aber es schien mir heute so — 
nein, ich hatte die Gewißheit, daß er dich wirklich 
lieb hat ... Und wenn ich dich richtig kenne, so 
bist du ihm auch gut ... Nein, du brauchst mir 
nicht auszuweichen. Wenn du mir nichts zu sagen 
hast, rede ich kein Wort mehr.“ 
„Vater ... ich bin ihm auch gut .. ich bin 
ihm sehr gut.“ 
Sie fühlte, wie seine Hand in der ihrigen bebte. 
Eine unsagbare Rührung ergriff sie.
	        
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