Path:
Elftes Kapitel

Full text: Der Baumeister / Hollaender, Felix (Public Domain)

101 — 
„Auch die Frauen, die nicht geheiratet werden?“ 
„Auch die,“ entgegnete er mit voller Überzeugung. 
„Auf das Heiraten kommt es überhaupt nicht so sehr 
an, zu dem Standpunkt wird man sich bald durch— 
gerungen haben.“ 
„Wenn ich dich so höre, erschrecke ich ordentlich. 
Wie würdest du dich dazu stellen, wenn mir das 
passierte ?“ 
„Das halte ich für ausgeschlossen. Ich möchte 
den sehen, der dich im Stiche lassen könnte.“ 
Sie wurde plötzlich ganz heiter. „Vater, du hast 
eine göttliche Logik,“ sagte sie lachend, „verkündest 
die revolutionärsten Ideen und freiheitlichsten An— 
schauungen, um die dich jeder vorgeschrittene Soziskist 
sagar beneiden kannten und weichst auf der Stelle 
zurück, wenn es sich um dein Fleisch und Blut 
handest.“ 
„Das ist ganz falsch. Ich halte es nur für über— 
flüssig, einen Fall zu diskutieren, der ausgeschlossen 
ist. Weder wirst du dich wegwerfen, noch wird dich 
einer, er sei, wer er sei, jemals aufgeben können.“ 
„Und wenn ich es doch täte, und wenn ich dieses 
Schicksal hätte, das Tausende vor mir durchgemacht 
haben. Wie würdest du dich dann zu der Frage 
stellen ?“ 
Er überlegte nur wenige Sekunden. „Kind,“ ent— 
gegnete er dann kaum hörbar, „ich gebe zu, daß ich 
da — er zeigte auf seine Brust — einen heftigen 
Schmerz verspüren würde, aber einen Stein würde 
ich auf dich nicht werfen. Und den entrüsteten Vater, 
der seine Tochter verflucht und sich in seinem Zorn
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.