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10 Freunde

Full text: Das grüne Band / Hirschfeld, Georg (Public Domain)

270 — 
„Frühling,“ flüsterte sie, halb zu sich selbst, und 
lächelte an Walter vorbei. „Man muß jetzt Gutes 
tun. Man muß vergessen, was zwischen Mann und 
Weib steht. Man muß nur daran denken, was wir 
Alle brauchen. Adieu, Dichter.“ 
Sie nickte ihm zu und lief davon. Die letzten 
Worte hatte sie in entzückendem Umschlag zur Schel⸗ 
merei mit leisem Lachen gesprochen, ein Lachen, das 
Walter ins Herz traf. „Adieu, Dichter!!‘ Das war 
die Wahrheit. Das mußte er endlich zu sich selbst 
sagen. Adieu, Dichter ... 
Er ging weiter — rascher, leichter, innerlich be— 
flügelt, wie ein Kind, das zum Spielen entlassen ist. 
Er liebte ja Hanna. Hielt sie in seiner Seele Armen 
und erlöste die Niegeküßte mit seinem Kuß. Hart, 
stachelig, undurchdringbar sein Panzer — so kannte 
man ihn, so zweifelte man an ihm und seinen Lei⸗— 
den — weiche Gläubigkeit, ein echter Frühling dar— 
unter, der nur die Zauberformel brauchte, um zu 
sprießen, mit schwachen Halmen die eiserne Mauer 
der Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen. Liebe — 
Liebe! Die Formel war da. Ihr Mund, das herbe, 
tiefe, duftende Tor zu ihrer Seele, hatte sie gesprochen. 
Sie liebte ihn, und er — er wollte sie lieben. Was 
Schwärmerei und Jugenddünkel — auch zur Liebe 
mußte der Wille wach werden. Wollen, daß das 
Glück kam — können, wo Eitle verzagten. Jetzt 
galt es, dem Leben ins Auge zu sehen. 
Und eine andere Arbeit! — Ein Singen, ein 
erlösendes Sagen von sich selber, endlich! Hartes
	        
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