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8 Das Konzert

Full text: Das grüne Band / Hirschfeld, Georg (Public Domain)

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Stimme verbat. Da lief nun Helmut leise fluchend 
weiter, bis zur nächsten Ecke. Hier stand es, hier 
leuchtete es ihm aus beträchtlicher Höhe entgegen: 
Konzert von Herta Lisko (Sopran) und Fanny Birk 
Klavier), und auch sonst war alles richtig. Er ging 
nun langsam weiter. Von plötzlicher Verlegenheit 
erfaßt, als ob er seinen eigenen Namen öffentlich 
gelesen hätte, schritt er mit gesenktem Blick die Linden 
entlang, bis er durch das Brandenburger Tor in den 
stillen Tiergarten gelangte. Hier suchte er schattige 
Seitenwege auf und überließ sich seinen Träumen. 
Er fühlte sich garnicht wohl heute und wagte es sich 
nicht einzugestehen. Böser und bedrohlicher war seit 
gestern das schmerzende Rasseln in den kranken Lun⸗ 
genflügel zurückgekehrt, und die rauhe Winterluft 
Berlins ließ es nicht zur Ruhe kommen, reizte es 
mehr und mehr, erweckte ihm Angstzustände, wie er 
sie seit der Krise in Kiel nicht empfunden hatte. Leise 
Fieberschauer stellten sich jeden Abend ein, und nie— 
mals hatte sein Gemüt ein so heftiges, ihm selber 
rätselhaftes Stimmungsschwanken zu bestehen gehabt, 
wie in den letzten Tagen. Doch war jetzt Helmuts 
größte Besorgnis nicht das Leiden selbst, sondern daß 
Hans Georg oder Walter Schirmer seinen schlimmen 
Zustand bemerken und, die mahnende Stimme seines 
Gewissens entfachend, ihn zwingen könnten, sich zu 
schonen. Schaudernd sah er sich schon am heutigen 
Festabend in seiner trostlosen Bude liegen, und wäh— 
rend Herta wie ein Himmelsbote vor der ergriffenen 
Menge stand, Frau Hallers gräßlichen Brustthee trin—
	        
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