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7 Der Meister

Full text: Das grüne Band / Hirschfeld, Georg (Public Domain)

1889 — 
betrat er deshalb den Rembrandtsaal im Museum, 
und bald darauf eilte Helmut von den Ter Borchs 
nebenan auf ihn zu, indem er ihm herzlich beide 
Hände schüttelte. Er dankte ihm, daß er gekommen, 
aber nun wollten sie in den heiligen Räumen kein 
Wort über Kunsthyänen, wie es Konzertagenten und 
Gesangsbegleiter seien, verlieren, sondern nur genießen, 
nur genießen. Walter nickte etwas ungeduldig, dann 
machte sie der Mann mit dem Goldhelm stumm. 
Helmut wurde in seiner Weise bald unruhig, seine 
Augen bekamen das Irrlichtelieren allgemeiner Be⸗ 
geisterung, und er wandte sich rasch zum nächsten 
Bilde, zur Witwe, die ein Prediger tröstet. Dort 
sah ihn Walter störend in die Sehlinie einer hinter 
ihm retirierenden Engländerin treten, die mit kühler 
Sachlichkeit nicht Helmut, sondern den Rembrandt 
betrachten wollte und einen kleinen Knaben an der 
Hand hielt, der hübsch war, aber lahm, und mit gro⸗ 
ßen, unruhigen Augen von den Bildern fortblickte, 
als wollte er sagen: was soll ich hier, beim Gleich⸗ 
nis des Lebens, da ich im Leben selbst nicht Bescheid 
weiß? Grausame Bilder. Sorgsam durch Jahr⸗ 
hunderte bewahrte Spiegel eines Daseins, das lange 
verwest ist. Und ich? Ich lebe. — — 
Da trat für Walter, wie so oft, die Lebens⸗ 
betrachtung verdunkelnd vor die Betrachtung der 
Kunst hin, und er fühlte sich wieder einmal dem skep⸗— 
tischen Zuge seines Wesens verfallen, der ihm un⸗ 
heimlich war, da er niemals wußte, ob er ihn Mangel 
oder Vorzug nennen sollte. Jedenfalls hatte er, ein⸗
	        
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