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4 Jahrhundertwende

Full text: Das grüne Band / Hirschfeld, Georg (Public Domain)

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Bildhauer, jeder in seiner Weise, sich mit zärtlichem 
Staunen in ihre mädchenhaften Züge versenkten. 
Besonders auf Helmut machte Walters Mutter einen 
starken Eindruck. Er pflegte jede schöne Frau poe— 
tisch zu symbolisieren und sah in Frau Schirmer 
nicht nur eine liebe, alte Dame, sondern sogleich auch 
die Urmutter der Menschheit, eine Gottgebärerin. So 
mußte denn Hans Georg für den verträumten Poeten 
das Wort ergreifen und Walter den eigentlichen 
Zweck ihres Besuchs auseinandersetzen. Es handele 
sich um den ersten Bundesabend der Brüder und 
Schwestern vom grünen Bande. Heute solle er als 
Feier der Jahrhundertwende in der Pension Basse 
stattfinden. Er selbst, Hans Georg, sei schon bei⸗ 
getreten, wenn er auch die Menschen dort nur aus 
Helmuts Schilderungen kenne. Man hoffe aber all⸗ 
gemein, daß auch Walter sich ihm anschließen werde. 
Ihn dazu aufzufordern, seien sie heute hauptsächlich 
gekommen. 
„Es handelt sich wohl um einen kleinen Verein, 
meine Herren?“ fragte Frau Schirmer jetzt mit liebe⸗ 
vollem Interesse. 
Hans Georg und Helmut mußten lächeln. Dann 
ergriff aber, um die entstandene Verlegenheit zu über⸗ 
winden. Helmut das Wort: 
„Doch nicht, gnädige Frau,“ sagte er artig. „Es 
handelt sich um eine freie Gemeinschaft junger Leute 
— Herren und Damen. Wir sind grundsätzlich gegen 
alles Vereinsmäßige, gegen alles, was Vorstand oder 
Statuten heißt.“ 
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