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Hilde

Full text: Babel-Berlin / Gruenstein, Josef Rudolf (Public Domain)

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einen Wagen nehmen, denn ich versprach zu fahren, damit 
mich niemand abhole!“ 
Damit winkte sie einem Wagen, stieg ein, setzte sich 
und zog den Kopf Kurts mit beiden Händen in den Wagen 
und gab ihm einen Kuß auf beide Augen. Er umarmte 
sie darauf und küßte ihre Wange. 
Plötzlich rief er: „Wann sehe ich dich wieder?“ 
„Ich schreibe!“ 
Damit befahl sie dem Kutscher, zehn Minuten durch 
die Straßen zu fahren und dann vor ihrem Hause zu 
halten. 
Kurt stand mit unbeschreiblichen Empfindungen wie 
festgewurzelt und sah dem Wagen lange nach. — — — 
4. Kapitel. 
Frau Marzani empfing Hilde von Kempen zur 
ersten Stunde. Mit heiterer Miene trat Hilde ein, denn 
sie war glücklich darüber, einem Herzenswunsche näher— 
zukommen. Nach kurzer geschäftsmäßiger Begrüßung 
führte Frau Marzani die neue Schülerin in ein größeres 
Zimmer, dessen Türe außen die Aufschrift aufwies: Lehr— 
saal. Zunächst erfolgte die Vorstellung. Frau Marzani 
nannte Hildes Namen und betonte das „von“ besonders. 
Dann sagte sie: „Unsere Kunstnovize soll nicht gleich 
mit acht Namen zur Probe ihres Gedächtnisses gebracht 
werden. Sie muß die Mitschüler nach und nach kennen 
lernen. 
Hilde sah sich die Gesellschaft an: fünf Mädchen 
verschiedener Art und drei junge Männer zwischen zwanzig 
und fünfundzwanzig Jahren. Die Herren machten steife 
Verbeugungen und die Damen lächelten ihr zu. Eine 
unter ihnen schien sehr schüchtern zu sein. Die anderen
	        
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