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Hilde

Full text : Babel-Berlin / Gruenstein, Josef Rudolf (Public Domain)

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„Mir gefällt es ungemein,“ sagte Stasia mit un—
beschreiblicher Einfachheit, ging an den Flügel und rief:
„Urteilen Sie selbst!“
Sie sprach den Text deutlich aus, und Kurt hörte
voll Ergriffenheit zu. Das Lied hieß: „Das Beste“
und lautete:

Wer dächte nicht im Tagesschaffenszwang,
Der manche liebe Stunde ihm vergällt,
Wie schön das Sein doch wäre, sehnsuchtsbang,
Besäß' er das, was er fürs Beste hält!

Dem einen ist die Freiheit Ideal,
Die Unabhängigkeit, die Reichtum leiht,
Dem andern ist es der Verehrer Zahl,
Die ihm Bewunderung begeistert weiht.

Ein dritter sieht allein nur in der Macht
Des Lebensinhalts unvergleichlich Glück,
Ein vierter hält fürs Beste äuß're Pracht,
Da sich die Erde ja auch zierig schmück'.
Ein fünfter wär' beglückt, würd' er geliebt! —
Verschied'nen Wunsch birgt jeder Herzensschrein
Ich aber weiß, daß es nichts Bess'res gibt,
Als Kind in lieber Eltern Hut zu sein!

„Nicht wahr, eine innige, einfache Melodie?“ rief
Stasia, als sie geendet hatte.
Kurt war um das treffende Wort in Verlegenheit,
und aus tiefstem Herzensgrunde konnte er nur seufzend
rufen: „Ja, ja!“
Auch die Generalin meinte, der Dichter müßte das
Glück der Kinderstube im Elternhause vermißt haben.
„Gewiß,“ sagte Kurt jetzt und bat, sich zurückziehen
zu dürfen. Er war bewegt, wie immer, wenn er daran
            
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