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Fanny

Full text: Babel-Berlin / Gruenstein, Josef Rudolf (Public Domain)

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„Vielleicht ist's doch möglich,“ seufzte Emmy, „wir 
haben nur den Mann noch nicht kennen gelernt, der uns 
eine solche Liebe einflößte.“ 
„Will ich auch gar nicht,“ sagte Fanny hart, „denn 
wenn der Teufel sein Spiel hat, liebt der eine Andere, 
dann ist der Roman fertig, von dem ihr immer erzähltet, 
und man muß sich ertränken. Das fehlte gerade!“ 
Emmy lachte und rief: „Du bist gut!“ 
In diesem Augenblick gingen zwei, kaum dem Back— 
fischalter entwachsene Mädchen sittig an ihnen vorüber, 
und in respektvoller Ferne folgten zwei junge Herrchen 
von siebzehn bis achtzehn Jahren. Emmy stieß Fanny 
an und flüsterte, als sie vorüber waren: „Rendezvous 
oder Beginn der Bekanntschaft.“ 
„Das sind doch noch Kinder!“ 
„Berliner Kinder aber,“ sagte Emmy und lächelte 
—XV 
Da bemerkten beide, daß ein Backfisch den Sonnen— 
schirm fallen ließ, den er in der Hand wie einen Stock 
trug. Beide junge Herren stürzten hinzu, um ihn auf— 
zuheben. Man zog die Hüte, man knixte, man sprach 
weiter, ging zusammen. — 
„Siehst du,“ sprach Emmy lachend, „sie haben 
sich!“ 
„Was hat das für Zweck?“ fragte Fanny. „Sie 
sind doch alle miteinander noch unreif.“ 
Statt einer Antwort fragte Emmy: „Warst du mit 
dreizehn bis vierzehn Jahren nie verliebt?“ 
„Ich!?“ Fanny bekam einen Lachanfall. „Wie 
sollte das zugehen?“ 
„Na, du mußt noch sehr entwickelt werden,“ meinte 
Emmy staunend. 
Um 5 Uhr gingen die beiden Mädchen nach Hause,
	        
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