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Erna

Full text: Babel-Berlin / Gruenstein, Josef Rudolf (Public Domain)

4159 — 
Und endlich sagte die Frau Doktor in einem Tone, 
der eine Menge Hintergedanken zu verbergen schien: „Ein 
Wiener Cousin! Er singt ihr Schnaderhüpfelchen vor!“ 
Und mit harmlosestem Lachen flog sie davon zu einer 
Gruppe, in deren Mitte eben die kleine Malerfrau sich 
befand — aber auch ein Schriftsteller, von dem es in 
ienem Kreise hieß, er liebe sie und nenne alle seine Hel— 
dinnen nach ihr, sie habe aber drei Namen, so daß man 
aus den Erzählungen erkennen kann, wie kompliziert das 
Wesen der Frau sei, der er sein Herz geschenkt habe, was 
alle wissen, nur der Mann der Dame nicht. 
Die gute Frau Doktor erzählte aber weiter davon, 
daß Fräulein Erna sich vom Vetter aus Wien in später 
Abendstunde Schnaderhüpfelchen vorsingen lasse, so daß 
die Geschichte bald in den Mund Spottlustiger kam. Man 
hatte seinen boshaften Scherz, man war amüsiert, die 
Frau Doktor erzielte einen vollen Erfolg mit ihrer Ge— 
schichte und dem Ton in welchem sie sie zum besten gab. 
Kleine Menschen, die am Kleinen hängen und das Gros 
der Bewohner einer Stadt bilden. Aber auch das Kleine 
unterscheidet sich in der Form vom anderen Kleinen und 
Kleinlichen, und das ist das Wesentliche der gesellschaft⸗— 
lichen Verschiedenheit, das Trennende der Kreise. — 
* 
Die Zusammenkünfte auf der Veranda im Hause 
Marwitz hatten einen besonderen, von niemand geahnten 
Grund und ihre nicht uninteressante Vorgeschichte. 
Eines Tages hatte Walter Holzinger auf der Treppe 
einer jungen Dame einen kleinen Dienst leisten können. 
In ihrer Art, zu danken, lag etwas, das Walter an die 
Heimat erinnerte. Und es entspann sich nachstehendes 
Gespräch zwischen ihnen:
	        
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