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Hilde

Full text: Babel-Berlin / Gruenstein, Josef Rudolf (Public Domain)

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zu: „Laut anschlagen!“ Der Souffleur, ein altes, schiefes 
Männchen nickte und verschwand. 
Nach und nach füllte sich die Bühne mit seltsam 
kostümierten Gestalten, und Prokopius verkroch sich mit 
seinem Sekretär in einen Winkel, von dem aus man 
nichts mehr von den Vorgängen auf der Bühne sah. 
„Es ist eine verteufelte Aufregung, so 'ne Pre— 
miere,“ sagte Sekretär Bayer zu Prokopius. 
Dieser schwieg und dachte, der arme Bühnendichter 
hänge doch von zu vielen inferioren Existenzen ab. Ein 
Hoffen schwellte seine Brust, das ihn über alle Fähr— 
nisse hinwegtäuschte, denen eine Aufführung ausgesetzt 
sein kann. Endlich bekam Prokopius auch Hilde zu Ge— 
sicht, die mit Leutnant Mierzlinsky sprach. Sie sah rei— 
zend aus und begrüßte ihn sichtlich verlegen. 
„Ich spreche unserer Freundin Mut zu!“ rief der 
Leutnant lächelnd. 
Prokopius lächelte instinktiv; aber es erschien ihm 
seltsam, daß sein Freund von Hilde so sprach, als stände 
er ihr näher. 
„Willst du nicht auf deinen Platz gehen, es ist gleich 
Anfang?“ sagte Prokopius zum Leutnant, und dieser 
flüsterte ein Wort zu Hilde, bevor er rief: „Jawohl! 
Sei gewiß, ich werde die Schlacht gewinnen helfen!“ 
Damit verschwand er. Hilde sah ihm, wie Prokopius 
bemerkte, nach. 
Prokopius war augenblicklich nicht in der Verfassung, 
sich durch Eifersucht beherrschen zu lassen. Auch wollte 
er Hilde jetzt keine Szene machen. Bei sich selbst dachte 
er nur: „Die beiden scheinen ja recht intim geworden!“ 
Plötzlich hieß es: „Was nicht auf die Szene ge— 
hört, herunter von der Bühne!“ Nach hinten entstand 
ein Gedränge, Prokopius wurde geschoben und gestoßen,
	        
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