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VII.

Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

Lina stuͤtzte den Kopf auf die Arme und fing an 
zu schluchzen. „So, das hab ich also um dich ver— 
dient, daß du mich so behandelst. Na ja, ein 
anstaͤndiges ruhiges Leben behagt dir nicht. Du mußt 
in Weiberkneipen bei Kellnerinnen sitzen. Die gefallen 
dir besser — deine Else war ja auch so eine. Mich 
druͤckst du einfach an die Wand.“ 
Wiemeling wollte erklaͤren, daß er sie durchaus 
nicht an die Wand druͤckte. Aber er fuͤhlte, daß die 
Auseinandersetzung endlos wurde. Schließlich ließ 
er sich dann weich schlagen und blieb. Da ihm 
nichts anderes einfiel, zog/er seine Uhr aus der Ta⸗ 
sche. „O Gott, es sind⸗ schon neun Uhr, ich muß 
sofort gehen. Ich habe noch erst was im Geschaͤft 
zu besorgen. Jedenfalls klingele ich an, wann ich 
zuruͤckkomme.“ 
Lina sah ein, daß sie im Augenblick nichts mehr 
erreichen konnte. Der Einfluß von Fritz Mennes und 
die Furcht vor seinem Spott wirkten zu stark auf 
ihn, sonst haͤtte er laͤngst nachgegeben. 
„Schoͤn, dann geh meinetwegen los und besauf 
dich,“ sagte sie. „RJum Essen kommst du natuͤrlich nicht?“ 
„Ich weiß noch nicht,“ stammelte er verlegen. 
„Aber du hast recht, es ist vielleicht am besten, ich 
esse im Restaurant. Dann hast du es bequemer.“ 
Wiemeling war froh, als er gluͤcklich draußen 
war. Er atmete ordentlich auf, und es erfuͤllte ihn 
mit Genugtuung, daß er einmal seinen Willen durch⸗ 
gesetzt hatte. O wie freute er sich, daß er sich heute 
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