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VI.

Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

von seinem großen Buddhawerk erzaͤhlte, und daß nur 
sie ihm die feinste und letzte Stimmung dazu geben 
koͤnnte, da war sie bereit, ihr Leben seiner Dichtung 
zu weihen, und unbekuͤmmert um das Gerede der 
Welt zog sie zu ihm. Denn auch sie fuͤhlte in dieser 
Saison eine gewaltige Leere in ihrem Dasein und 
sehnte sich nach dem großen Erleben der Schoͤnheit. 
uͤber eine Woche hausten sie jetzt schon in solcher 
Schoͤnheit zusammen, und wenn auch Kappmann bis 
heute noch nicht zum Dichten gekommen war, so 
konnte er sich doch mit Recht damit troͤsten, daß das 
nicht so schnell ging, und daß alle guten Dinge ihre 
Zeit haben wollen. Und wenn auch Frau Friedlaͤnder 
nicht mehr so ganz jung war, sie hatte Kultur. Sie 
kannte die modernsten Stroͤmungen in der Literatur 
und in der Kunst, und Kappmann gratulierte sich, 
daß er diesen intimen seelischen Umgang mit ihr 
genoß. O, wie elegant war sie, und mit welchem 
Stolz betrat er jetzt immer an ihrer Seite das kleine 
Literatencafé , in dem ein zwanzigjaͤhriger langhaariger 
Juͤngling, der Frau Doris anschwaͤrmte, ihnen seine 
Gedichte im Stile Stefan Georges vorlas. Kappmann 
wurde zwar nicht recht klug aus diesen Versen, aber 
das poetische Feuer steckte ihn doch an und sein 
Geist baute weiter an dem Gedanken des Buddha⸗ 
dramas. 
Und nun stand er hier in dem roten Salon, in 
dem Doris noch vor kurzem als Koͤnigin geherrscht 
hatte, um sich mit ihrem Gatten auseinanderzusetzen. 
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