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III.

Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

halb weil sie fuͤhlte, daß sie ihn nur so noch an 
sich fesseln konnte. Aber waͤhrend sie auf diese Weise 
Theater spielte und ihn und sich selbst belog, merkte 
sie kaum, wie sie allmaͤhlich zu dem wurde, was er 
in ihr sah. In durchsichtigen Kleidern tanzte sie vor 
ihm und nur eins verbarg sie tief in ihrem Innern, 
das einzige Echte, ihre Liebe zu ihm. 
„Was hast du denn da im Gesicht?“ fragte sie, 
als sie sich jetzt an dem kleinen Marmortischchen 
gegenuͤber saßen. „Du hast dich wohl mit einer 
gekratzt ?“ 
Er lachte und begann ihr alles zu erzaͤhlen. Er 
war wirklich ein guter Erzaͤhler. Ihm wurden ja 
alle Dinge erst richtig lebendig, wenn er sie noch 
einmal durchsprach, wenn er seine Phantasie und seine 
Selbstverspottung hinzufuͤgte. Er trug dann nicht 
mehr das eigentliche Erlebnis selbst vor, sondern eine 
Szene einer Dichtung und studierte an seinem Zu⸗ 
hoͤrer den Eindruck, den er machte. Und sie wußte, 
welche Stimmung er jetzt brauchte. Sie wurde noch 
lustiger und spoͤttischer als er selbst. Sie begannen 
beide, die naͤchste Zukunft auszumalen. Wie der Onkel 
der armen Frida immer deutlichere Anerbietungen 
machte, die sie aufs tiefste kraͤnkten. Bis es dann 
schließlich zur Katastrophe kam. Der Alte warf die 
Widerspenstige zur Tuͤr hinaus. Sie sah deutlich ein, 
daß auch Otto sie betrog, und dann folgte natuͤrlich 
das Ende — die letzte Nacht mit dem Trinkgelage, 
mit Mord und Selbstmord. 
J 
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