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XII.

Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

kein Mensch. Sie wuͤrden im Straßenanzug zum 
Standesamt gehen. Hinterher konnte man dann 
so gelegentlich einem Bekannten erzaͤhlen: „Gott, ja, 
wir sind doch lange verheiratet. Wußten Sie das 
denn nicht?“ Nur die Trauzeugen mußten sie 
haben. 
Daß Kappmann der eine war, das haͤtten sie 
schon ausgemacht. Aber Mennes schlug als zweiten 
Zeugen Wiemeling vor, und Lina erklaͤrte, daß sie das 
auf keinem Fall zugaͤbe. Das sei ganz unmoͤglich. 
„Ich sehe nicht ein, warum das unmoͤglich ist?“ 
sagte Mennes. „Ich habe es uͤbrigens schon mit ihm 
abgemacht. Er kommt.“ 
Das war zwar eigentlich nicht wahr, denn Wieme⸗ 
ling wußte noch nichts von der ihm zugedachten Ehre, 
aber Mennes setzte, trotz aller Traͤnen Linas oder ge⸗ 
rade deswegen seinen Willen durch. 
„Nun erst recht!“ sagte er, und dabei blieb es. 
Lina aber klagte jetzt taͤglich Frau Kappmann 
telephonisch ihr Leid. Mennes war naͤmlich, seit die 
Hochzeit bestimmt war, ganz des Teufels geworden. 
Nichts konnte man ihm recht machen, er trieb sich 
die halben Naͤchte herum, und wenn sie ihm mit 
Vorwuͤrfen kam, dann sagte er, er muͤßte die kurze 
Freiheit, die er noch haͤtte, ausnuͤtzen. Aber Lina 
wußte nur zu gut, daß er es rein aus Schikane tat. 
Es war wirklich kein gemuͤtlicher Brautstand. 
Endlich kam der Hochzeitstag, in einem Café, 
gegenuͤber dem Standesamt, traf sich die Gesellschaft. 
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