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Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

Prinzen, der ein armes huͤbsches Ding auf seinen 
Thron erhebt. Nur bisweilen warf er einen scheuen 
Blick nach rechts, wo wie ein drohendes Unheil die 
kleine, heimtuͤckische Tasche hing. Aber Fridas Gesicht 
leuchtete so gluͤcklich und hingebend, aus diesen Augen 
war jede Mordlust entschwunden. 
„Du, Otto, ich geh einmal hinaus. Aber du 
versprichst mir wirklich auf dein Ehrenwort, daß du 
die Tasche nicht anruͤhrst. Jetzt noch nicht! O, sage 
ja, bitte!“ 
Er war fast beleidigt. „Herrgott, immer diese 
dumme Tasche. Ich hatte sie ja schon ganz vergessen. 
Da kannst du ruhig sein, ich ruͤhre sie nicht an.“ 
„Also du versprichst es mir.“ 
„Zum Teufel, ja. Aber nun geh auch.“ 
Eine Weile behielt er noch sein entruͤstetes Ge⸗ 
sicht, als sie fort war. Dann aber warf er einen 
scheuen Blick nach der Tasche. Laͤcherlich, diese Wei⸗ 
berlaunen. So, wie sie zuruͤck kam, wuͤrde er vor 
ihren Augen die Tasche nehmen und den Revolver 
einstecken. uͤberhaupt — er durfte sich garnicht so 
ihren Launen fuͤgen. Er warf noch einen Blick den 
langen Gang hinunter, den sie gegangen war, dann 
nahm er vorsichtig die Tasche herunter. Seine Haͤn⸗ 
de zitterten etwas. 
Einen Moment stutzte er, als er das in Seiden⸗ 
papier eingewickelte Ding anpackte. Eine Waffe in 
Seidenpapier, wieder mal die ganze Frida! Ploͤtzlich 
aber verschwand sein Laͤcheln und der Ausdruck 
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