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Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

obgleich ihr alles, was die Frida erzaͤhlte, bitter wehe 
tat. Wie mußte doch Wegener dieses Maͤdchen geliebt 
haben, da er so lange an ihr hing, und wie gluͤcklich 
waren die beiden gewesen. Aber jetzt war er ja ein 
Narr, ein Phantast, besonders mit seinen Schulmeister⸗ 
ideen uͤber die Weiber, mit seinem albernen Maͤnner⸗ 
hochmut. 
„Sie muͤssen Wegener nicht als normalen Menschen 
betrachten,“ sagte sie. „Die Leute, die Verse machen, 
geben ihr Gefuͤhl in ihre Gedichte ab. Fuͤr uns 
Frauen haben sie nur den zweiten Aufguß uͤbrig. Ich 
habe ihn so gern gehabt, der roheste Mensch haͤtte 
das bemerkt, aber er sah in mir nur Falschheit, weil 
das zu der Rolle paßte, die er mir zugeteilt hatte. 
Sein Sie nicht boͤse, daß ich von mir spreche, ich bin 
ja daruͤber Herr geworden. Aber das koͤnnen Sie 
glauben, fuͤr Wegener ist die ganze Welt und er selber 
ein Theater. Alles sieht er falsch und unnatuͤrlich, 
und er macht sich selbst schlechter als er ist. Nein, 
wenn Sie bei ihm was erreichen wollen, dann muͤssen 
Sie Ihre Ehrlichkeit aufgeben, dann muͤssen Sie auch 
Theater spielen, wie er es tut, und ihn uͤberbieten.“ 
„Ja,“ sagte die Frida niedergedruͤckt, denn sie 
fuͤhlte, daß alle diese bitteren Worte nur zu richtig 
waren. „Er schreibt doch uͤber sich und mich ein 
Drama, und nun glaubt er, alles was in dem Stuͤcke 
oorkommt, das geschieht nachher auch wirklich. Ja, 
er hat wirklich Angst, ich wuͤrde ihn totschießen.“ 
Else mußte laͤcheln. „O, ich weiß das alles. Er 
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