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VIII.

Full text: Die Liebe ist so komisch / Cremer, Wilhelm (Public Domain)

VIII. 
Hans Kappmann war im Grunde eine brave, 
ehrliche Schulmeisterseele, und wenn in seinem Leben 
alles seinen richtigen Lauf genommen haͤtte, dann saͤße 
er wohl heute noch in irgend einer Gemeindeschule 
und waͤre gluͤcklich in dem Gefuͤhl, mit Pruͤgeln und 
Ermahnungen zur Erziehung der heranwachsenden 
Menschheit beizutragen. Auch war er wohl niemals 
besonders intelligent gewesen, und er gehoͤrte nicht 
zu jenen unpraktischen und darum bedauernswerten 
Menschen, die durch das Raͤtselhafte des Lebens und 
die Schoͤnheit der Dinge zum Traͤumen und Gruͤbeln 
verlockt werden. Aber er besaß von seinem Vater her 
jene zaͤhe Bauernschlauheit, die uͤberall ihre Vorteile 
erspaͤht, und die tiefe Klugheit kleiner Geister, die die 
Bloͤßen und Schwaͤchen der Großen benutzt, um sich 
ihren Weg nach oben zu bahnen. Kappmann brauchte 
sich im Leben nicht mit eigenen Ideen zu plagen, aber 
er bildete sich ein, solche Ideen zu haben, was ja im 
allgemeinen auf dieser Welt auch viel vorteilhafter ist. 
Eigentlich machte ihn nur ein Zufall, ein Jugenderlebnis 
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