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Erstes Buch. Thea Viertes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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Heerschar seien, Kraft und Lust zu neuer Arbeit. 
Mancherlei frische und eigenartige Strömungen nah— 
men hier ihren Ursprung. Mochte es auch sein, daß 
manches geniale Gebaren für echt gehalten und be— 
deutend überschätzt wurde, mochten auch manch waähre, 
aber zügellose Talente bei dem ihnen hier gebotenen 
Spielraum nie zur nützlichen Selbstbeherrschung ge⸗— 
langen, so konnte man doch andrerseits wieder seine 
Freude haben an dieser jugendlichen Kraft, die sich 
so aller hemmenden Schranken ledig voller Zukunfts⸗ 
hoffnungen äußerte. Freilich machten ‚die Kommen— 
den‘ auch alle Modefehler mit. Manch blühendes 
Gesicht hielt sich die interessante Maske der „Déka⸗ 
denece‘ vor, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß 
dies müde und blasierte Gebahren gar nicht zu seiner 
Natur paßte. 
Auch den Frauen wurde ein möglichst weiter 
Spielraum gelassen. Sie saßen beim Glase Bier, 
rauchten ihre Zigaretten, und ihre Meinungen galten 
genau so vollwertig wie die der Männer. Vielleicht 
kam dadurch in die ganze Vereinigung hier und da 
ein stark erotischer Zug, der nicht immer frei war 
von Raffinement und Unnatur. Im allgemeinen 
konnten indessen diese lebensfreudigen, künstlerisch 
empfindenden Menschen als ein gutes Unterpfand für 
die Zukunft gelten. 
Rens hatte seine Karte abgegeben, sich in das 
Gastbuch eingeschrieben und trat nun in den von 
dichtem Tabaksqualm durchwogten Saal. Zunächst 
sah er sich etwas hilflos um und setzte sich dann an
	        
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