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Drittes Buch. Renaissance Viertes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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Dienste einer Idee lustig zu sein. Lachend und 
fröhlich das Große zu tun ist etwas viel Höheres 
als ernst und gespreizt einherzuschreiten und sich Gott 
weiß was Wichtiges und Besonderes zu wähnen. 
Wir bleiben das alte, fröhliche Ehepaar, Ruth, das 
zu allem ein vergnügtes Gesicht machen kann. Sind 
wir so, dann werden auch die Gesichter sich um uns 
aufhellen, und wir haben etwas Schönes bewirkt, 
ohne daß wir etwas davon ahnten. So werden wir 
die besten Juden werden, Ruth, wenn wir nach dem 
Bitteren des Exils nun die Süßigkeit der Heimat zu 
genießen verstehn. Wir werden immer mehr uns 
in die neue Heimat einleben und deine Sehnsucht 
nach dem, was du verlassen hast, verdämmert dann 
allmählich. Und schließlich“ — er kniff sie lachend 
in den rosigen Ohrlappen, — „wird doch noch ein 
ganz besonderes Band zwischen uns kommen, daß 
Papa und Mama schreien kann?“ 
„Pfui, Rensé, heute ist mit dir kein ernstes Wort 
zu sprechen!“ Ruth schlug ihm auf die Hand, wurde 
heftig rot und rannte aus dem Zimmer. 
Indessen nahten die Tage, wo man das Bevor⸗ 
stehende doch ernsthaft erwägen mußte. Es waren 
Briefe aus Wien gekommen, die Rensé über seine 
zukünftige Stellung dort drüben aufklärten, ihm mit 
Beobachtungen und Ratschlägen an die Hand gingen. 
Er teilte alles, wie er das gewohnt war, Ruth mit, 
und man erkannte, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen 
sei, an das Nötige zu denken. Sehr ging es Ruth
	        
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