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Drittes Buch. Renaissance Drittes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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um eine andere vergessen können. Ein so Thea wie 
Rens fühlbarer kühler Hauch schien plötzlich durch 
das Zimmer zu wehen. Es war die Gegenwart, 
vor der die Vergangenheit wehklagend entfloh. Thea 
erhob sich und setzte sich in einen Sessel ihm gegen— 
über. Und nun begann sie von sich und ihren Heirats— 
plänen zu erzählen. 
Rens staunte über sich selbst, wie unbewegt er 
nach der Leidenschaft der vorangegangenen Szene 
nun alles mit anhörte. Es war nichts anderes, als 
spräche ihm ein lieber Freund von Schicksalen, die 
Rensé im Grunde nichts angingen und zu denen er 
nur ein Ja der Billigung oder ein mißbilligendes 
Nein zu sagen habe. Sie plauderten miteinander, 
wie das sich sympathische, gegeneinander offene 
Menschen zu tun pflegen. Den alten warmen Ton 
fanden sie aber nicht wieder. 
Nur als sie Abschied nahmen, warf sich Thea 
ihm noch einmal mit der ganzen alten Leidenschaft 
um den Hals und rief: 
„Nicht wahr, du kommst morgen wieder, be⸗ 
stimmt wieder?“ 
Er versprach es, beinahe widerwillig. 
Er sehnte sich nach seiner Frau. 
Und er atmete erleichtert auf, als er wieder auf 
der Straße war.
	        
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