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Erstes Buch. Thea Erstes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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Die Dirne wurde sehr blaß, ihre Zähne schlugen 
zusammen, und jäh aufschluchzend verbarg sie ihr Ge— 
sicht in den Kissen. 
„Und grade du, der mich behandelt hat, als ob 
ich ein Mensch wäre, schmeißt mir jetzt das Geld 
hin, als wäre ich nur ein fühlloses Stück Fleisch! 
Was habe ich dir getan, daß du mich so beleidigst, mir 
Geld zu schenken? Nimm dein Geld wieder und geh!“ 
Der ganze junge Körper bebte in Schluchzen. 
Ein heißes Mitleid schwoll in Renés empor mit 
dem schönen, sündigen, verlorenen Geschöpfe. Zögernd 
trat er näher. 
„Aber, liebes Kind, lege nur nicht übel aus, 
was doch wirklich gut gemeint war. Ich habe nach 
deinem Leibe kein Bedürfnis und wollte dir deine 
Zeit nicht nutzlos für dich geraubt haben. Also gib 
mir die Hand!“ 
Sie antwortete nur durch ein Schluchzen, das 
ihre Schultern zuckend emporhob. 
Da setzte er sich neben sie auf das Bett und 
versuchte ihr gütlich zuzureden. 
Sie hörte gar nicht auf ihn. Ihre junge Brust 
arbeitete heftig und sichtbar, ein eigener, ihm unbe— 
kannter Duft ging von dem jungen Körper aus, der 
ihn benahm und verwirrte. Jetzt umschlang sie seinen 
Hals mit hilfebedürftigen, weichen Kinderarmen, und 
ihre Lippen suchten mit sinnlichem Brennen die seinen. — 
Und diese Nacht wurde Renés Sündenfall. 
Er wurde ein Mann.
	        
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