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Drittes Buch. Renaissance Erstes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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zurückkehrten und Rensé sein junges Weib mit einigem 
Stolze durch ihr gemeinsames Heim führen konnte. 
Auf dem Tische des Eckzimmers stand eine schöne 
Vase mit prächtigen Chrysanthemen nebst einer beglück— 
wünschenden Karte von Fritz Slarek. Den Ver—⸗ 
wandten hatten sie ihre Rückkehr telegraphisch mitgeteilt. 
Von ihrem jungen Glücke und den großen Er— 
innerungen ganz erfüllt, schritten sie Arm in Arm, 
zärtlich aneinander geschmiegt, durch die Zimmer. 
Das Bewußtsein, ein eigenes Heim zu besitzen, in 
dem man abseits der Welt seine Freuden und Leiden 
bergen konnte, vermengte sich in ihnen mit dem 
Rausche, einander nun ganz anzugehören. Die Woh—⸗ 
nung war so gewählt, daß die Fenster nach dem 
Tiergarten hinausgingen, und durch die breiten 
Scheiben grüßten nun die Wipfel der alten Bäume 
freundlich und wohlvertraut herüber. Die Straße 
lag still da. Hier konnte keine rasselnde Pferdebahn, 
kein Menschengewühl das ruhige Behagen ihres Glückes 
stören. 
„Wie schön du das alles gemacht hast, Rens!“ 
flüsterte die junge Frau, als sie in das Damenzimmer 
traten. „Es ist nichts von dem vergessen, was ich 
mir wünschte. Ach, wie ich glücklich bin, Rensé!“ 
Rens umarmte seine Gattin und küßte sie zärtlich. 
„Was wäre mir die schönste Wohnung ohne 
dich, mein Liebling? Ein Körper ohne Seele, etwas 
Lebloses, Kaltes und Steifes. Du bist es erst, die 
den Dingen für mich Leben verleiht, sie ihre eigene 
Sprache reden macht. Durch dich erst lerne ich alles
	        
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