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Drittes Buch. Renaissance Erstes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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Sie sind in so völlig andersartigen Anschauungen 
aufgewachsen und gereift! Und nun glauben sie, ihre 
Anschauungen wären die guten und einzig richtigen 
und stellen sich uns als Beispiel hin. Sie haben in 
ihrer Art recht. Aber es sind dann zwei Welten, 
die sich nicht verstehen oder auch gar nicht verstehen 
wollen. Das ist das Unglück. 
„Siehst du? Da hast du dir selbst auf alle deine 
Vorwürfe die einzig mögliche Antwort gegeben. Es 
liegt auch keineswegs am bösen Willen auf irgend 
einer Seite, es liegt einfach am nicht Können. Wir 
sind in ein anderes Zeitalter hinein geboren und nun 
verpflichtet, uns ihm anzupassen. Was für verschiedene 
Daseinsbedingungen, Daseinsmöglichkeiten! Du wärst 
ein Narr gewesen, hättest du dich deinen Eltern unter⸗ 
worfen, ein persönlichkeitsloser Mensch. Glaubst du 
denn, ich könnte dich lieben, wenn ich nicht wüßte, 
du gehst immer deine eigenen Wege, wenn es sein 
muß, auch Kopf durch die Wand! Vernünftige Frauen 
lieben immer im Mann das Stärkere. Ich kenne 
junge Leute, die durchaus gehorsame Söhne sind. 
Aber was ist eigentlich mit ihnen los? Ihr Leben 
ist wie ein stehendes Gewässer. Niemals wird sich 
eine Frau in sie verlieben. Was du an dir beklagtest, 
Rensé, ist gerade dein Wert.“ 
„Du gibst mir die alte Stärke wieder, Ruth. 
Man fühlt das wohl so und handelt auch danach, 
aber man kann es sich nicht so recht zum Bewußtsein 
bringen. Es ist auch richtig so, würde man alles 
nach seiner Überlegung einrichten, das wäre dann
	        
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