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Zweites Buch. Ruth Erstes Kapitel

Full text: René Richter / Brieger, Lothar (Public Domain)

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dich einfach über mich lustig, wie das so von Zeit 
zu Zeit deine Art ist. Ich habe mich gewiß gefreut, 
als du damals anfingst, ein bißchen mehr die Jugend 
und das Leben zu genießen, anstatt wie bisher dich 
unter Büchern, Bildern und Noten zu vergraben. 
Es war ja schon recht nötig, du warst geradezu am 
Versauern. Na, in den letzten zwei Jahren hast du 
ja tüchtig aufgeholt! Weißt du, daß ich gestern Gold⸗ 
blondchen getroffen habe? Sie ist gar nicht mehr 
goldblond, sondern trägt jetzt strohgelbe Haare. Auch 
wird sie langsam ein bißchen sehr fett. Aber man 
sieht ihr noch immer auf der Straße nach. Sie ver⸗ 
steht sich gut anzuziehen.“ 
„Gewiß,“ sagte Rens ärgerlich, „es wird ihr 
nie an Erfolgen fehlen. Schade, daß ich bei ihr 
hineingefallen bin! Sie war mein Debut in diesem 
Genre, und da war ich ihr eben noch nicht gewachsen. 
Man muß Lehrgeld zahlen, ein junger Bücherwurm 
blamiert sich immer ein wenig als Don Juan. Ich 
glaubte der zweite zu sein, den sie liebte — und 
siehe da, später fand sich eine ganz stattliche Ahnen⸗ 
reihe vor.“ 
„Ja, du warst damals ganz wild nach ihr. Ich 
hatte dich vorher nie so gekannt. Ich nehme die 
Dinge leichter.“ 
René stand auf und begann wieder in dem 
kleinen Zimmer herumzugehen. 
„Und da tust du recht, Fritz! Es ist eine große 
Dummheit, die Frauen ernst zu nehmen. Übrigens 
ist es ebenso eine Dummheit, wenn man sie leicht
	        
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