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Erstes Buch Sechstes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

77 — 
Existenz schaffen kann, wo sie nicht mehr auf den 
Mann zu warten braucht — heute ist es wirklich 
ganz gleich, ob Junge oder Maͤdchen.“ 
„Ich glaube, ein Junge,“ sagte Susanne schwach, 
„hat es aber doch leichter im Leben. Er leidet nicht 
so stark wie die Frau immer leiden muß, auch wenn 
sie einen Beruf hat. Die Liebe macht ihr so viel 
mehr Schmerzen als ihm.“ 
Sie regte sich dabei auf. Ja, sie war noch so 
schwach, daß ihr gleich die Traͤnen kamen. 
„Es ist nur von der Schwaͤche,“ sagte Susanne, 
waͤhrend die Pflegerin ihr die Wangen wischte. „Ich 
habe das jetzt oͤfter.“ 
Erquickender war Doktor Muͤller. Er schrieb: 
Verehrte, kleine Mama! 
O, ist das reizend, daß Sie uns so huͤbsch rasch 
eine solche Freude gemacht haben. Und nun gar ein 
richtiges Maͤdchen in die Welt zu setzen, ist das erst 
praͤchtig. Wir brauchen ja so dringend diese kleinen 
huͤbschen Maͤdchen, die in einem weiten und fein⸗ 
geleiteten Haushalt groß werden und die wir dann 
nach allen Seiten ausbilden, ehe wir sie in die Welt 
hinauslassen. Wir Maͤnner wissen ja heutzutage gar 
nicht, wen wir heiraten sollen. Wenn wir erst mehr 
solcher Maͤdchen haben werden, passen Sie auf, dann 
werden wir nicht mehr lange aͤngstlich sein, wen wir 
uns zur Frau nehmen sollen. Aber schließlich sind wir 
wohl noch nicht so weit, und bis wir dabei halten,
	        
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