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Erstes Buch Fünftes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

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Augenblicken noch, wo er schon nicht mehr wider⸗ 
stehen zu koͤnnen glaubt,“ er verschraͤnkte die Finger, 
wie wenn er dozierte, „skeptisch auf diese fuͤr sein 
Alter doch beinah schon unziemlichen Gefuͤhle. O 
ich sage nur, beinahe unziemlich. Sie brauchen 
nicht gefaͤllig den Kopf zu schuͤtteln. Ich sehe voll⸗ 
kommen klar. Unziemlich, weil ich mein Koͤnnen 
in diesem Alter von meiner Arbeit nicht abziehen 
und an anderes verschwenden duͤrfte. Aber doch nur 
beinahe unziemlich,“ und er sagte es zaͤrtlich, fast 
schon weinerlich, „weil man doch als Mann niemals 
sich dem Reiz entziehen sollte, den diese Frauen auf 
uns ausuͤben. Mich haben nun —“ und er wurde 
nachdenklich — „diese merkwuͤrdig weich herausge⸗ 
neigten Handgelenke so ergriffen. So machte sie's“ 
und er machte es mit seinen eigenen nach, nur daß er 
immerfort mit der einen Hand das Roͤllchen der 
anderen Hand hochschieben mußte — „nur sanfter, 
nur milder, in einer viel weicheren Linie ... Nein, ich 
kann es nicht beschreiben ... Wenn ich es wieder⸗ 
holen koͤnnte, wuͤrde es mich ja auch nicht so reizen ... 
Darauf beruht ja diese sonderbare Anziehungskraft, 
daß etwas außer uns Befindliches so auf uns ein⸗ 
wirkt, bis wir durch die Liebe es uns gleichsam ein— 
verleiben ...“ 
„Vier Monate,“ leitete ihn Frau Stern zuruͤck, 
„haben Sie.“ 
„Ja, Sie haben recht, Sie fuͤhren mich zuruͤck. 
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