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Drittes Buch Zwölftes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

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heißen hat, oder weiß ich warum sonst ... Wenn ich 
aber Kommerzienrat bin, wird man sie nicht Frau 
Stern, sondern Frau Kommerzienrat rufen ...“ 
Im Sommer ging Susanne in jenen thuͤringischen 
Ort, den sie nicht wegen seiner Lieblichkeit allein 
aufsuchte, sondern weil Erinnerungen an wichtige 
Zeiten ihres Lebens sich an ihn knuͤpften. In ihrer 
Begleitung war nicht nur Hilde, auch Eve hatte Herr 
Stern ihr dahin mitgegeben. 
O, das war schoͤn, seine Kinder um sich zu ha⸗ 
ben; und war auch noͤtig. Wenn sie waͤhrend langer 
Wald⸗ und Wiesenstreifen uͤber gewisse Dinge nachdach⸗— 
te, die immer bestimmter und deutlicher sich formten, 
begluͤckte es sie, daß Eve wieder eine richtige Mutter 
bekam und Hilde nicht das ungewisse Schicksal eines 
unversorgten Maͤdchens erfahren wuͤrde. Matuͤr⸗ 
lich immer nur, wenn jenes Undeutliche deutlicher 
werden sollte) Wußte man denn, ob Hilde geeignet 
war, eine von diesen neuen Frauen zu werden, oder 
nicht vielmehr so wie ihre Mutter die Ruhe und Ver⸗ 
sorgung der Frauen von fruͤher brauchte? Und sie 
kuͤßte ihre Kinder lange und sagte sich: „Tu ich das, 
nein: taͤte ich das, nicht bloß fuͤr euch?“ 
Aber tat sie es wirklich bloß fuͤr sie? Sehnte 
sie sich nicht selbst aus einem tiefen Beduͤrfnis hin⸗ 
aus aus der duͤrftigen Enge ihrer Eltern nach der 
Uppigkeit des einstigen Lebens? 
Oft kehrte sie bei ihren innerlich erregten Wan—
	        
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