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Drittes Buch Zwölftes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

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wie vor laͤngerer Zeit ein Ausbruch sie verletzt hatte, 
er auch juͤngst in einem Roman von einem Mann ge⸗ 
lesen hatte, der so ungeschickt war, daß er immer 
knallend kuͤßte, kuͤßte er behutsam ihre Hand, ganz 
sanft und leise, ohne jedes stoͤrende Geraͤusch. Sie 
ließ ihn liegen, aͤngstlich, ob sie damit nicht schlecht 
gegen jemand anders handelte, aber doch beruhigt, 
weil sie hier nichts aus neuer Liebe tat. 
„Aber nicht doch,“ sagte sie endlich, „wir wollen 
das doch noch ganz lange undeutlich und ungewiß 
belassen.“ 
Worauf er schweratmend sagte: 
„Also, wenn das noͤtig ist J 
Nach einigen Monaten, wo es immer noch gleich 
ungewiß und undeutlich war, erzaͤhlte er, daß man 
ihn zum Kommerzienrat ernannt habe. 
„Ich mache mir nichts aus dem Titel,“ sagte er, 
„er ist fuͤr die Welt. Und um die Welt mich zu be—⸗— 
kuͤmmern, das habe ich mir in diesen Jahren abge⸗ 
woͤhnt. Aber ich habe gedacht: vielleicht verheiratest 
du dich noch mal, und es kann doch sein, daß deine 
Frau nicht Frau Stern wird heißen wollen. Der 
Name ist ja nicht schoͤn, weil man gleich an eine 
Himmelserscheinung denkt, was ich wirklich doch nicht 
bin, oder sie mag ihn aus einem anderen Grund nicht 
lieben, vielleicht weil sie nicht Erinnerungen auf—⸗ 
frischen will an eine Zeit, wo sie schon einmal so ge⸗
	        
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