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Drittes Buch Achtes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

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„Kennen Sie mich denn von dieser Seite? Hab 
ich das sonst schon getan?“ 
„Nein,“ sagte sie und schwieg .. 
„Wenn man bedenkt,“ fing sie nach einer Weile 
schaudernd an, „was alles die Menschen uͤber mich 
reden werden.“ 
„Was die Menschen reden, das kann Ihnen doch 
gleich sein. Die Menschen kennen Sie doch nicht.“ 
„Die Menschen kennen mich nicht? Warum ken— 
nen sie mich nicht?“ 
„Es kennen einen doch immer nur sehr wenige.“ 
„Ja, gewiß ... Wirklich, wer kennt einen eigent⸗ 
lich?“ 
„Ich zum Beispiel, ja, ich glaube Sie zu kennen.“ 
„Glauben Sie wirklich, daß Sie mich kennen?“ 
„Soweit dies unter Menschen uͤberhaupt moͤglich 
ist. Wer kennt Sie denn uͤberhaupt schon so lange 
wie ich?“ 
„Dann,“ fing sie wieder an und man merkte, wie 
sie unruhig wurde, „sagen Sie mir, ein einziges Mal, 
bitte, ob Sie mich fuͤr eine schlechte Person halten ...“ 
Sie war bei den Worten aͤngstlich zusammengekauert, 
fast zusammengerollt. Aus ihrem Koͤrper schien ihr 
Kopf, aus ihrem Kopf schienen ihre Augen langsam 
heraus⸗ und auf ihn zuzuwachsen. Alles schien von 
dieser Antwort fuͤr sie abzuhaͤngen. 
Er spuͤrte den ungemeinen Sinn, der fuͤr sie in 
dieser Frage lag. Und langsam, mit behutsamer
	        
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