Path:
Drittes Buch Achtes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

422 — 
„Und Sie haben zwei Kinder,“ sagte Doktor 
Muͤller, der sich langsam wieder setzte und mit vor⸗ 
gebeugtem Koͤrper die Haͤnde zwischen die Beine hielt. 
„Vergessen Sie das doch nicht. Sie haben Pflich— 
ten!“ 
„Nicht wahr, ich habe Pflichten,“ sagte sie be— 
ruhigt. Ach, wenn er doch hierbliebe und immer, 
wenn diese Vorwuͤrfe kaͤmen, sie so beruhigte. 
„Sie muͤssen sich erhalten,“ sagte Doktor Muͤller 
noch, und er tat sehr ernsthaft. 
„Ja, glauben Sie, daß ich mich erhalten muß?“ 
Und sie sah hoffnungsvoll zu ihm auf. 
„Ja, das muͤssen Sie sogar vor allem ... 
Ihren Kindern muͤssen Sie sich erhalten.“ Und er 
nahm eine Hand hoch und strich durch seinen Bart, 
der leise erzitterte, da auch er erregt war. 
„Sie sind so gut zu mir,“ sagte sie zu ihm mit 
aufgehobenen Lidern und ihre Stimme war demuͤtig 
an ihn hingegeben, „so gut, als wenn ich nicht schon 
fruͤher einen Mann ungluͤcklich gemacht haͤtte und 
nun einen zweiten —“ Aber sie sprach es nicht aus. 
„Ja, es ist gut, daß Sie das nicht ausgespro⸗ 
chen haben. Sonst waͤre ich so boͤse gewesen, daß ich 
weggegangen und nie wieder hergekommen waͤre.“ 
„Sie wollten nicht wiederkommen? Aber Sie 
muͤssen doch wiederkommen. Was soll ich denn ohne 
Sie anfangen?“ klagte sie leise und ihre Augen waren 
von einer erbarmungswuͤrdigen Angst erfuͤllt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.