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Drittes Buch Siebentes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

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sie mit einiger Schwierigkeit. „Ein Mann, der sich 
nicht einmal betrinken kann ...“ Sie lachte immer⸗ 
fort. „Puh,“ machte sie und blies ihm mit ihren 
kLippen den Wind ins Gesicht. 
„Noch ein bißchen Wein,“ bettelte sie, trank aus 
und hielt ihm das Glas hin. 
„Einer muß doch trinken!“ sagte sie. 
Da aber hielt er die Flasche fest. Doch entwand 
sie sie ihm mit ihren geschmeidigen Haͤnden, goß sich 
selbst ein und trank in langen Zuͤgen. Dunkel kam 
es sie einmal an, als staͤnde ihr etwas bevor. Aber 
das flog nur fluͤchtig durch sie hin. „Ich bin drei⸗ 
undzwanzig,“ sagte ste laut und schien ihre Ent⸗ 
nuͤchterung begruͤnden zu wollen. 
Die Geigen spielten erregter und schlugen die Er⸗ 
regung tiefer in ihr Blut. 
„Du bist uͤberhaupt kein Mann! Jemand, der 
nicht trinken kann, ist kein Mann,“ lachte sie heraus. 
Aber als das Lachen kaum erledigt war, ein Lachen 
von einer reichen Kette heller Triller, begann sie 
neu zu lachen, ohne Grund, kunstreich, gesucht, schein⸗ 
bar dieselben Triller, nein, es waren andere, neue, 
eigenartige, befremdende Glieder wuchsen der Kette 
an. 
Ploͤtzlich brach ihr Stimme ab, und nach kurzem 
Schweigen sagte sie, wie wenn sie sich besaͤnne, „du,“ 
und stockte, „du, ich bin wohl ein wenig so. 
Aber ich habe dich so lieb, so lieb, du Junge.
	        
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