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Drittes Buch Viertes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

3553 — 
„Nein, das hat ein anderer gesagt, nicht ich. 
Ich ruiniere mich. Weil ich zu schwaͤchlich, zu un— 
begabt bin, um mich als Anwalt durchzusetzen. Ich, 
nicht du ... Sag, daß du die Worte nicht gehoͤrt 
hast, daß ich sie nicht gesagt habe!!“ 
Das dritte Kleid zog sie nicht an. Sie versteckte 
es tief in einen Kleiderschrank. Den Schneider be⸗ 
wog sie, sechs, acht Monate mit seiner Forderung zu 
warten und auf die Haͤlfte ausgestellte Rechnungen 
uͤber nur zwei Kleider ihr zu senden. Die Differenz 
von etwa neunhundert Mark beglich sie mit erspartem 
Wirtschaftsgelde. 
Aber man erspart, auch wenn ein Mann so wenig 
vom Haushalt versteht wie Albert, neunhundert Mark 
nur mit hunderten von Entbehrungen. Sie lebte 
beduͤrfnislos im Essen und Trinken hin und ließ fast 
zu jeder Mahlzeit, da er nicht darunter leiden durfte, 
etwas Besonderes fuͤr ihn kochen oder braten. Wenn 
ihm das zu haͤufig vorkam, erklaͤrte er, nur zu essen, 
wenn sie teilten. Da sie sich dazu nicht verstand, kam 
es vor, daß es zuruͤck in die Kuͤche wanderte, so daß 
sie oft genug versucht und drauf und dran war, ihm 
alles zu gestehen 
Im ganzen aber lebten sie doch ruhig dahin; er 
arbeitete viel fuͤr andere und wenig fuͤr sich, ohne rech— 
ten Ertrag und zusehends stummer werdend, sie lebte 
zu Hause mit ihrem Kinde und, wenn er fuͤr sie Zeit 
hatte, auch mit ihm, nicht mehr so heiter⸗gluͤcklich 
Beradt, Eheleute 
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