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Drittes Buch Zweites Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

325 — 
Aber es gelang ihm nicht, sie damit zum Lachen 
zu bringen. Sie behielt vielmehr weiter ihr Schmoll⸗ 
gesicht und sagte heftig: „Du sollst das buͤßen.“ Und 
als er damit nicht begann, fluͤsterte sie zu ihm, bit⸗ 
tend, fast weinend hinuͤber: „Ach bitte, buͤß es doch!“ 
Und er kam zu ihr auf seinen Knien hingerutscht. 
Sie erließ ihm nichts; er mußte erst den Kopf in 
ihren Schoß, hoͤrbar auf ihre Kleider, legen und dann, 
wie sie es liebte, einen Kuß auf jeden Finger kuͤssen, 
ehe sie vergab und vergaß. „Du kleiner Idiot,“ 
laͤchelte sie. Und da wußte er, ihm war verziehen. 
Eines Tages zog sie sich gut an, ging vor Beginn 
der Sprechstunde fort und klingelte bald darauf wie— 
der an der eigenen Wohnungstuͤr. Als der Lauf⸗ 
junge oͤffnete, sagte sie: „Stettner, jetzt gehen Sie 
zum Herrn Rechtsanwalt hinein und sagen ihm, 
Frau von Werner moͤchte Herrn Rechtsanwalt spre⸗ 
chen.“ Er starrte sie fassungslos an, endlich daͤm⸗ 
merte vor seinen fuͤnfzehn Jahren die Pointe eines 
Einfalls. Er richtete den Auftrag aus, aber schon 
als er heraustrat, hustete er, weil er nicht lachen 
wollte. 
„Herr Rechtsanwalt ... huͤhue ... lassen ... 
huͤhuͤ ... bitten ..“ 
Eine halbe Stunde ließ dann dieser gemeine 
Mensch von Mann sie in ihrem Salon warten, um 
eine Inanspruchnahme zu erheucheln. 
Als sie dann vorgelassen wurde, war er rasch ge—
	        
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