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Ins Bett! Aber wie gelaͤhmt fiel sie hintuͤber.
Sie konnte sich ja alles noch uͤberlegen, daͤmmerte
es durch sie hin. Vielleicht war er hineingegangen,
ihr Zeit zu geben, einen Ausweg zu finden ... Viel⸗
leicht wollte er nicht hoͤren ... Aber sie ertrug es
selbst nicht mehr, zu schweigen, es brannte in ihr da⸗
nach, zu reden! Denn heute nachmittag war sie
aufgegeben worden, heute hatte man sie verlassen, sie
wollte alles sagen, das Ganze von sich herunterreden.
Sie fieberte; es war Eiter in ihrem Koͤrper, sie wollte
ihn ausdruͤcken. Sie wuͤhlte ihren Koͤrper auf der
Ottomane hin und her, biß sich in die Lippe, in die
Haͤnde, in den Arm, wurde ratlos... Sie —
Er trat in die Tuͤr, sie zur Haͤlfte oͤffnend, und
mit einer gefaßten Stimme sagte er:
„Soll ich zu Bett gehen und glauben, daß du
mich belogen hast?“
„Ich habe nicht gelogen,“ wimmerte sie unruhig.
„Du hast nicht gelogen?“ fragte er, erkaltet.
Und ploͤtzlich sich hochschraubend, die Augen weit
offen, furchtbar, als wenn sie herausspringen, zu ihr
hinuͤber wollten: „Wer weiß“, und seine Stimme
schwoll an wie die eines verwundeten Stieres, „ob
du mich nur belogen hast!“
Denn der Geigenlehrer fiel ihm ein, der Herr
aus dem Theater. Und ein Krampf begann ihn zu
schuͤtteln, daß an seinem Koͤrper alles auf⸗ und ab⸗
fuhr. Man sah ihn zusammenzucken, hoͤrte ihn