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Zweites Buch Viertes Kapitel

Full text: Eheleute / Beradt, Martin (Public Domain)

150 — 
Ins Bett! Aber wie gelaͤhmt fiel sie hintuͤber. 
Sie konnte sich ja alles noch uͤberlegen, daͤmmerte 
es durch sie hin. Vielleicht war er hineingegangen, 
ihr Zeit zu geben, einen Ausweg zu finden ... Viel⸗ 
leicht wollte er nicht hoͤren ... Aber sie ertrug es 
selbst nicht mehr, zu schweigen, es brannte in ihr da⸗ 
nach, zu reden! Denn heute nachmittag war sie 
aufgegeben worden, heute hatte man sie verlassen, sie 
wollte alles sagen, das Ganze von sich herunterreden. 
Sie fieberte; es war Eiter in ihrem Koͤrper, sie wollte 
ihn ausdruͤcken. Sie wuͤhlte ihren Koͤrper auf der 
Ottomane hin und her, biß sich in die Lippe, in die 
Haͤnde, in den Arm, wurde ratlos... Sie — 
Er trat in die Tuͤr, sie zur Haͤlfte oͤffnend, und 
mit einer gefaßten Stimme sagte er: 
„Soll ich zu Bett gehen und glauben, daß du 
mich belogen hast?“ 
„Ich habe nicht gelogen,“ wimmerte sie unruhig. 
„Du hast nicht gelogen?“ fragte er, erkaltet. 
Und ploͤtzlich sich hochschraubend, die Augen weit 
offen, furchtbar, als wenn sie herausspringen, zu ihr 
hinuͤber wollten: „Wer weiß“, und seine Stimme 
schwoll an wie die eines verwundeten Stieres, „ob 
du mich nur belogen hast!“ 
Denn der Geigenlehrer fiel ihm ein, der Herr 
aus dem Theater. Und ein Krampf begann ihn zu 
schuͤtteln, daß an seinem Koͤrper alles auf⸗ und ab⸗ 
fuhr. Man sah ihn zusammenzucken, hoͤrte ihn
	        
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