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Full text: Café Größenwahn / Austerlitz, Rose (Public Domain)

Krüger. Sie gingen auf die kleine Brücke und lockten die 
Enten. Die arglosen Tiere kamen herbei und hoben 
neugierig ihre schillernden Köpfe. Da warf Gabriel 
einen Brocken Brot hin, der sofort gierig verschlungen 
wurde. Krüger warf noch einen Brocken, da kamen von 
allen Seiten Enten herbei, große, kleine, junge und alte. 
Meine ist noch nicht dabei,“ sagte Krüger wehmütig, 
„die war noch mal so dick wie die graue dort.“ — Die 
Enten jagten einander den Brocken ab. Da plötzlich 
stieß Krüger einen halb unterdrückten Freudenschrei aus, 
da kam sie, die Erwählte, majestätisch angeschwommen, 
die Seniorin des Ententeiches, breit und fett; würdig und 
selbstbewußt teilte sie die Fluten und kam geradeswegs 
auf die Brücke zu. Krüger lief ihr entgegen und warf 
ihr den dritten Brocken zu. Sie nahm ihn, wie eine 
Königin einen Tribut annimmt. In größter Aufregung 
schleuderte er ihr jetzt den letzten Brocken am Angel⸗ 
haken hin. Da schwamm ein mageres, kleines Entlein 
hin, die Freunde zitterten, im Wasser entspann sich ein er⸗ 
bitterter Kampf. Witt legte die längsten Odds, daß die 
magere Ente Siegerin blieb. „Versündige dich nicht,“ 
wies Gabriel ihn streng zurecht. — Der Kampf wogte, 
vergebens warf Krüger den feindlichen Parteien Steine 
an die Köpfe, sie kämpften mutig weiter, endlich hatte 
die fette Favoritin gesiegt, sie schnappte gierig nach dem 
Brot, doch schon im nächsten Augenblick zogen die Freunde 
an der Schnur, und die Ente war in ihrem Besitz. 
Gabriel, der vom Cande war, schnitt ihr die Kehle 
durch und wickelte sie in Zeitungspapier. Unter seinem 
großen Mantelkragen war das Paket nicht zu sehen, und 
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