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Full text: Café Größenwahn / Austerlitz, Rose (Public Domain)

„Bande“, knurrte er wieder; denn er hatte sie nicht 
gefunden, die schöne, phantasievolle Notiz, die ihm neu— 
lich gelungen war. Es stand darin zu lesen, daß der 
Dichter Fridolin, einem Gerücht zufolge, im Begriff 
wäre, Privatdozent an einer größeren deutschen Hoch— 
schule zu werden, und daß er ein bedeutendes Werk über 
die „Einwirkungen der platonischen Ideenlehre auf 
Hegel“ unter der Feder hätte. 
Im LCokal war ein unaufhörliches Kommen und 
Gehen. Die Tische waren alle dicht besetzt, und überall 
wurde debattiert, gelesen, gegessen, gelacht. Jetzt kam 
eine größere Gesellschaft und stand zögernd vor dem 
großen Tisch, an dem Bubi mit Lieschen saß. 
Plötzlich sprang Cieschen mit einem Freudenschrei 
auf und umarmte ein hübsches, braunes Mädel namens 
Mieze. Die ganze Korona saß bald fröhlich plaudernd 
beisammen. Besagte Mieze war Lieschens Schulkollegin 
und Intima gewesen und war jetzt als Schauspielerin 
an einer kleinen Bühne engagiert. 
Mieze schien der Mittelpunkt der Gesellschaft, sie 
hatte nur noch eine Nebensonne, eine märchenhaft blonde 
Maid von einer beängstigenden Magerkeit, namens Co— 
rette. Da waren noch einige junge Leute, ein hübscher 
junger Spanier, „Prälat von Saragossa“ zubenamset 
(warumd) — keine Ahnungl), ein blonder Schwede 
namens Holgers, mit einer riesigen Aktenmappe. Er 
war in einem großen Verlagsgeschäft Ceiter, wie er 
sagte, Inseratenagent, wie seine Feinde sagten; die Wahr⸗ 
heit konnte bis heute nicht ergründet werden. Da war 
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