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Lieder und Sprüche

Full text: Gedichte / Fontane, Theodor (Public Domain)

2 67 —* 
Von Wollmarkt und wie gut der Roggen stuͤnde — 
Das ew'ge Klagen sei doch fast 'ne Suͤnde. 
„„Das find' ich auch und sag' es jeden Morgen; 
Die Wirtschaft, ach, ich hab' ganz andre Sorgen, 
Die Jungen wachsen 'ran, die richt'gen Rangen, 
Mit unserm Willem is nichts anzufangen: 
Der Jung' is faul, fuͤr gar nichts hat er Sinn — 
Ganz wie sein Vaͤter droͤhmt er bloß so hin — 
Und 's Rechnen wird ihm alle Tage schwerer — 
Ich habe schon gedacht ... vielleicht der Lehrer?““ 
„Wohl moͤglich, Frau; doch wie's damit auch sei, 
Da hilft sich's schon ohn' große Hexerei, 
Latein, Geschichte werd' ich mit ihm treiben — 
Kann er denn schon 'nen deutschen Aufsatz schreiben? 
Und wenn auch nicht, so viel versprech' ich Ihnen, 
Er soll, zum mind'sten, nicht drei Jahre dienen.“ 
Und wie versprochen, gleich am andern Tag 
Tritt Porst ins Zimmer, mit dem Glockenschlag; 
Und weiter so — nie laͤßt er lange warten — 
Er kommt mit Zumpt, mit Lexikon und Karten, 
Und was das Best' (im Busen wird es helle): 
Der Junge kommt auch wirklich von der Stelle! 
Lernt „Tabakspfeife“, „Buͤrgschaft“, Gellerts Fabeln, 
Unregelmaͤß'ge Verben und Vokabeln, 
Lernt piper und papaver und auf is 
Was masculini generis. 
Und eines Tages, nicht mehr allzu fruͤh, 
C. .. „„er bleibt zu lange, gibt sich zu viel Muͤh“) 
Erscheint beim Unterricht die Kruͤgerin 
Und stellt vor Porst 'nen Eierbecher hin,
	        
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