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II. Geschichtliches

Full text: Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin / Wittmack, Ludwig (Public Domain)

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I. Geschichtliches. 
Hermann von Nathusius, der so viel bei den Plänen des neuen 
Gebäudes mitgewirkt, hat seine Vollendung leider nicht mehr gesehen. 
Er war bereits am 29. Juni 1879 dahin geschieden. Von da ab trat der 
jetzige Ministerialdirektor Dr. Hugo Thiel als Vorsitzender des Kuratoriums 
ein und seiner Tatkraft, seinem weiten Blick verdankt die landwirtschaft- 
liche Hochschule nicht nur ihre Organisation, sondern auch ihre innere Aus- 
gestaltung und immer größere Erweiterung. Seine leitenden Grundsätze 
hat er in dem bereits oben erwähnten Aufsatz „Die landwirtschaftliche 
Hochschule zu Berlin, ihre Begründung und Einrichtung nebst einem 
Verzeichnis der Vorlesungen für das Sommersemester 1881“ mit sechs 
lithographierten Tafeln in Thiels Jahrbüchern 1881, S. 481 eingehend 
dargelegt. 
Es mußte sich, sagt er, nicht darum handeln, dem nächstliegenden 
Bedürfnis zu genügen, sondern auch im Interesse des Nachwuchses 
tüchtiger Lehrkräfte für den landwirtschaftlichen Unterricht die Zahl der 
disponiblen Stellen nicht zu sehr zu beschränken. Denn bei einer zu 
geringen Anzahl von Lehrstellen werden gerade die tüchtigsten Elemente 
wenig Lust haben, sich einer Laufbahn zu widmen, welche zu geringe 
Chancen der Anstellung und Beförderung bietet. Auch darf nicht über- 
sehen werden, daß in den Facharbeiten strebsamer Dozenten eine 
Förderung des Gewerbes liegt, welche unter Umständen den Erfolg der 
direkten Lehrtätigkeit auf die Studierenden noch übertreffen kann. Und 
weiter heißt es: Solange man die Pflege der Grund- und Hilfswissen- 
schaften der Landwirtschaft ausschließlich den Universitäten überläßt, 
wird die Verlockung (der tüchtigeren Elemente unter den jüngeren Ge- 
iehrten), sich mit den landwirtschaftlichen Seiten ihrer Disziplinen zu 
beschäftigen, nicht sehr groß sein; sie wird aber in dem Maße steigen, 
wie an den landwirtschaftlichen Anstalten eigene, den Universitäten ent- 
sprechend dotierte Lehrstühle und Laboratorien wenigstens für die haupt- 
sächlichsten jener Fächer geschaffen werden. Es können dann ohne 
der Wissenschaftlichkeit des Unterrichts zu schaden, gerade die Seiten 
des betreffenden Faches, welche dem Landwirte besonders interessant 
sein müssen, auch besonders ausführlich behandelt und dem Landwirte 
hierdurch außer der Einführung in das allgemeine System der betreffen- 
den Wissenschaft auch noch die Kenntnis einer Menge ihm sehr wichtiger 
Details vermittelt werden. 
Dieser Gedanke ist ein sehr glücklicher gewesen und die land- 
wirtschaftliche Hochschule darf sich rühmen, auf den verschiedensten 
Gebieten eine Anzahl‘ der tüchtigsten Männer der Wissenschaft neben 
ainer Reihe der tüchtigsten Kenner der Praxis gewonnen zu haben.
	        
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