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DTas Berliner Dirnentum.
Die Gäste, meist Studenten, kommen lediglich in der Ab—
sicht, sich eine Stunde mit den Mädchen zu unterhalten und ihre
Galanterie beschränkt sich meist darauf, sie in den Arm zu
kneifen, wenn sie ihre Zeche bezahlen.
Die Zahl dieser Lokale ist sehr groß, man schätzt sie auf 12
bis 15 Hundert mit mindestens 10 Tausend Kellnerinnen.“
Ein Vorurteilsloser sieht doch ungetrübter als andere. Er
sieht von höherer Warte, kann also auch so ein wenig herab—
lassend und überlegen lächeln, wie es eben Luc Gersal tut. Der
aber doch auch die gefährlichere Sorte der Animierkneipen ken—
nen gelernt hat und diese folgendermaßen schildert:
„Bisweilen sehen wir von der Straße aus Kellerlöcher mit
roten Scheiben und geheimnisvollen Vorhängen. Wir treten ein
und befinden uns in einer Weiberkneipe niedrigster Sorte.
Schenkmamsells, häßliche, schamlose Kreaturen bedienen die
Gäste und setzen sich auf den Schoß derer, die sich großmütig
zeigen, wobei sie ihnen nicht selten mit einem geschickten Hand—
griff die Brieftasche oder das Portemonnaie zu entwenden wissen.
Die kleinen Angestellten, Ladenschwengel dritter Ordnung ver—
bringen hier ihre Abende in Gesellschaft jener elenden Geschöpfe,
und bis spät in die Nacht setzt sich das Treiben hinter den geheim—
nisvollen, roten Scheiben fort.
Eines Abends las ich die folgende verlockende Ankün—
digung: „Amusement pour vous! Fräulein Feodora in ihrer
phänomenalen, wunderbaren, sensationellen Erscheinung.“ —
Leider hatte ich es sehr eilig.“
Solche lächerlichen Einladungen werden in der Gegend der
Friedrichstraße jedem einigermaßen anständig gekleideten Mann
von Zettelverteilern in die Hand gesteckt. Anbei einige Proben: