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III. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Hochschule

Full text: Die Königliche Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin / Wittmack, Ludwig (Public Domain)

II. Geschichtliches, 
Als 1810 in der schweren Zeit, wo die Universität Halle für Preußen 
verloren gegangen war, die Universität Berlin gegründet wurde, 
ward das Institut zu Möglin auf Antrag des Departements für den öffent- 
lichen Unterricht mit der neuerrichteten Hochschule verbunden und 
Thaer zum Professor an der Universität ernannt. Er las im Winter in 
Berlin, im Sommer in Möglin. 
Leider ließ sich aber wegen der Entfernung Möglins von Berlin 
(60 km) der beabsichtigte enge Zusammenhang des Instituts mit der 
Universität nicht so durchführen. Thaer, der bei dem damaligen Stande 
der Landwirtschaft die praktischen Demonstrationen auf einem mit der 
Lehranstalt verbundenen Gute für wichtiger hielt, legte daher im Jahre 1819 
die Professur an der Universität nieder. Sein Institut erhielt aber in 
demselben Jahre das Prädikat einer „Königlichen akademischen Lehr- 
anstalt des Landbaues“ und die Bewilligung einer besonderen Unter- 
stützung. 
Bald wurden, dem Beispiele Möglins folgend, andere landwirt- 
schaftliche Akademien gegründet, 1818 Hohenheim, 1835 Eldena, 
1842 Regenwalde, 1847 Proskau, 1847 Poppelsdorf, 1858 Waldau; 
in Österreich-Ungarn Ungarisch-Altenburg 1818, in Frankreich Grignon 
1826, in England Cirencester auf Grund der Liebigschen Anregungen 1845. 
Seitens der Behörden wurde aber die Verbindung Möglins mit 
der Universität Berlin immer noch aufrecht erhalten und bestimmt, 
daß die Studierenden der Staatswissenschaften in den Herbstferien 
Gelegenheit haben sollten, einen landwirtschaftlichen Lehrkursus in 
Möglin durchzumachen. 
Indes schon im Jahre 1826 trat Friedrich Gottlob Schulze in 
Jena dafür ein, daß allein die Universität geeignet sei, dem Landwirt 
eine höhere Gesamtbildung zu geben; er errichtete am 2. Mai 1826 
das erste deutsche landwirtschaftliche Lehrinstitut und ist somit der 
Begründer der landwirtschaftlichen Institute an Universitäten. *) Ja, 
in seiner Rede beim Antritt der ordentlichen Professur der Staatswirt- 
schaft zu Jena schlug er sogar eine eigene ökonomische Fakultät 
an den Universitäten vor. **) 
Bald darnach trat Liebig auf, und mit ihm wurde die Landwirt- 
schaft auf eine ganz andere naturwissenschaftliche Grundlage gestellt, 
Im Jahre 1840 erschien seine Organische Chemie in ihrer Anwendung 
auf Aorikultur. 1842 die Tierchemie, 1844 seine chemischen Briefe. 
*) L. Wittmack, Friedrich Gottlob Schulze, der Begründer der landwirtschaft- 
lichen Lehrinstitute an den Universitäten. Festrede am Geburtstage Sr. Maj. des 
Kaisers und Königs, den 27. Januar 1890. Deutsche landw. Presse 1890. Nr. 17. S. 127. 
**) A. Orth, Denkschrift betreffend das landwirtsch. Lehr-Institut zu Berlin. 
Als Manuskript gedruckt 1873, S. 3.
	        
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