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Fünftes Buch. Gesellschaft 31. Abschnitt. Gegensatz von Nord und Süd. Der Berliner - Reichshauptstadt und Kunsthauptstadt - Der Münchener

Full text: Deutschland von heute / Berolzheimer, Fritz (Public Domain)

31. Der Münchener. 
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wiese beim Oktoberfest, das man vorsichtshalber 
schon in der letzten Septemberwoche zu feiern beginnt. 
Zum Schmerz des echten Müncheners beteiligen 
sich auch die Fremden mannhaft an der Vertilgung 
der edlen Stoffe, und „am meisten saufen die nord⸗ 
deutschen Brüder“, die aus dem lobpreisenden 
Staunen über die billigen Preise des süffigen Ge— 
tränks gar nicht herauskommen. 
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Mit den geräucherten Aalen, Flundern und 
Sprotten fand auch der norddeutsche Student den 
Weg nach München. Und alles gefiel ihm hier. 
Das gemütliche Gehaben der Leute, das so völlig 
absticht von norddeutscher Art. Der Dialekt, den 
der junge Bruder Studio mühsam nachzusprechen 
versuchte. Die schmucke, mit einem Hauch von 
Wohlanständigkeit umgebene Kellnerin. Die Gelegen— 
heit, wirkliche Künstler lebend zu sehen. Der Fasching. 
Endlich, das billige Leben. 
Manches hat sich freilich inzwischen geändert. 
München ist heute stark norddeutsch durchsetzt. 
„Schwabing“ (das fashionable München) ist schon 
ganz „verpreußt“. Die Miethaustyrannen, die 
„vierstöckigen Hausbesitzer“, sorgten dafür, daß all— 
mählich alle Preise beträchtlich in die Höhe gingen. 
Aber mit der Wohlhabenheit wuchsen Komfort und 
Sauberkeit, die ehedem ein höchst bescheidenes Maß
	        
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