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Fünftes Buch. Gesellschaft 31. Abschnitt. Gegensatz von Nord und Süd. Der Berliner - Reichshauptstadt und Kunsthauptstadt - Der Münchener

Full text: Deutschland von heute / Berolzheimer, Fritz (Public Domain)

31. Der Münchener. J— 405 
und Kunst, wie jenes Phlegma erwecken die Emp— 
findung, als sei der Südbayer, der Münchener ins— 
besondere, dem Römer näher verwandt, als dem 
nordischen Stammesbruder. 
Mit dem Römer teilt der Münchener auch den 
heiligen Respekt vor der Arbeit, die er so hoch 
respektiert, daß er ihr am liebsten aus dem Wege 
geht. Nicht als ob in München allgemein gefaulenzt 
würde. Aber man arbeitet bedächtig, ohne Über— 
hastung, und mit großen Zwischenpausen. Die 
Arbeit ist etwas, das überwunden werden muß; 
etwas, das im Übermaß nicht gut tut. 
Der Kontrast gegenüber dem Berliner zeigt sich 
am deutlichsten bei Zeiten flauer Konjunktur. 
Während man dann in München (und in Wien) 
klagt, aber zugleich fatalistisch die Hände in den 
Schoß legt, verdoppelt man in Berlin die An— 
strengungen, wieder in die Höhe zu kommen. 
Andrerseits schätzt der Münchener den Erfolg der 
Arbeit, das Verdienen, den Reichtum, nicht entfernt 
in dem Maß, wie der Norddeutsche, und strebt 
auch weit weniger darnach. Sein Ideal ist eine 
behäbige Mittelstandsexistenz. Aus dem biederen 
Geschäftsmann entpuppt sich dann späterhin, so um 
die Fünfzig herum, der „Dreiquartl-Privatier“.“) 
D. h. der kleinbürgerliche Privatier. Wörtlich genommen, 
dem's nur für je „Drei Quart“ (Se, Liter Bier) g'langt, 
— ausreicht)
	        
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