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Fünftes Buch. Gesellschaft 28. Abschnitt. Die deutsche Frau und die Frauenfrage

Full text: Deutschland von heute / Berolzheimer, Fritz (Public Domain)

28. Die deutsche Frau und die Frauenfrage. 859 
Der wenigst geklärte Punkt in der Frauen— 
bewegung betrifft die Forderung sexueller Gleich— 
stellung der Frau mit dem Mann. 
Dieses Postulat tritt in zwei Äußerungen auf: 
Entweder wird das Gebot erhoben, Jüngling und 
Mädchen mögen gleichermaßen keusch leben bis zur 
Ehe. Es ist ein kleines Häuflein Idealisten, die 
diese Forderung erheben. Und eine geringe Zahl 
idealer Menschen, die ihr nachleben. (Faßt man 
übrigens die verheerenden Folgen der Sexualkranb 
heiten und die anderen Unzuträglichkeiten außer— 
ehelichen Geschlechtsverkehrs ins Auge, so wird man 
sagen müssen: auch hier trägt die Tugend ihren 
Lohn in sich.) 
Überwiegend aber wird Sexualfreiheit für die 
Frau gefordert, Sexualfreiheit für das Weib gleich 
jener des Mannes. 
In diesem Kampf um die Virginität muß man 
berücksichtigen: Je mehr die Frau ins Leben tritt, 
zufolge der Berufstätigkeit und ꝓpfflichten den Schoß 
der Familie verläßt, desto mehr wird naturgemäß 
ihre Virginität bedroht. 
Allein für die Frau hat der Geschlechtsverkehr 
eine ungleich einschneidendere Bedeutung als für 
den Mann. 
Eine größere Freiheit der Frau im sexualibus 
ist deshalb davon abhängig, daß die Rechtsstellung 
(und folgeweise die soziale Schätzung) des unehe—
	        
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